Die Zehn Gebote (für den Buchhändler)

Zehn Gebote BuchhändlerI.
Du sollst nicht fernsehen. Du sollst nicht einmal einen Fernseher besitzen. Und du sollst niemals die BILD-Zeitung anfassen. Das vergiftet deine Gedanken! Fernsehen ist sogar krebserregend (hast du mal irgendwo gelesen)!

II.
Du sollst rauchen. Und zwar selbstgedrehte Kippen! Oder Pfeife!

III.
Du sollst Bestseller grundsätzlich ablehnen, denn die sind Massengeschmack. Und das will schließlich keiner lesen. Bestseller, die du selbst allerdings gut findest, sollst du jedem Kunden in blumiger Umschreibung schmackhaft machen, bis der Kunde genervt davonrennt, da er eigentlich nur ein Pixi kaufen wollte. Diesen Kunden sollst du dann als „unwürdig“ abtun.

IV.
Du sollst von deinem Verlagsvertreter keine Leseexemplare annehmen. Vielmehr sollst du ihn zwingen, dir die noch unkorrigierten Druckfahnen zu übergeben, denn du kannst besser Deutsch als jeder Lektor und natürlich musst du möglich frühzeitig wissen, welche Bücher der Verlag auf den Markt werfen wird, damit du noch intervenieren kannst. Schließlich kennst du dich mit Büchern besser aus als jeder andere.

V.
Du sollst eine Brille tragen. Auch wenn deine Augen vollkommen in Ordnung sind. Als Jungbuchhändler sollst du eine Nickelbrille tragen, später jedoch eine Halbbrille, die du an einem vergoldeten Kettchen um den Hals trägst.

VI.
Du sollst Computern nicht trauen. Dieses „online“ und „elektronisches WWS“ soll dir immer suspekt sein. Du sollst regelmäßig bei den Barsortimenten anrufen und darauf hinweisen, dass die alten Kataloge einfach viel besser waren und endlich wieder gedruckt werden müssen.

VII.
Du sollst deinen Kunden erziehen. Schließlich hat er keine Ahnung von Büchern, sondern du und nur du! Regelmäßig sollst du sagen: „Wie können Sie nur so etwas lesen wollen? Nehmen Sie lieber das hier!“

VIII.
Du sollst keine Non-Books verkaufen und das schließt eBooks mit ein. Du bist Buchhändler, nicht Nichtbuchhändler. Wenn jemand etwas will, das nicht Buch ist, soll er doch zu Thalia gehen.

IX.
Du sollst Random House verachten. Und auch nichts von Random House im Sortiment haben. Statt dessen sollst du bei Kleinverlagen disponieren, auch wenn sich deren Bücher bei dir nicht verkaufen. Liegt ja nicht an dir. Die Kunden sind halt doof!

X.
Du sollst Bücher nach deiner eigenen Ordnung sortieren, die nur du durchschaust. Frontalpräsentation sollst du ablehnen, das bringt nur Unruhe ins Regal. Und warum soll jemand ein Buch finden, ohne dich zuvor gefragt zu haben?

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