Zum Weltfrauentag

Das kenn ich: Weltfrauentag. Jetzt wird wieder diskutiert, was Frauen dürfen und ob sie überhaupt dürfen sollen und ob sie vielleicht gar nicht mehr dürfen müssen sollen. Einmal im Jahr machen sich meine Geschlechtsgenossen für die Rechte der Frauen stark, beklagen Diskriminierung und Sexismus und fordern ein Umdenken.

Umdenken! Wenn ich das schon höre! Was soll das sein: Umdenken? Wie geht das: Umdenken?

Es ist schlimm, dass das schwache Geschlecht noch immer benachteiligt und nicht als gleichwertig angesehen wird. Wir leben nicht mehr im letzten Jahrhundert. Heute wissen wir, dass Frauen ein kleineres Gehirn haben, aber dafür können sie doch nichts.

Ich hab das hinter mir, ich bin fortschrittlich.

Natürlich sollen Frauen arbeiten dürfen, auch in Vorständen. Viel mehr können die auch nicht falsch machen. Und auch wenn sie nicht so gut bezahlt werden wie wir Männer, die die richtige Arbeit machen: Etwas mehr Geld für die Haushaltskasse ist nie verkehrt.

Oder Autofahren. Noch immer heißt es, Frauen seien die schlechteren Autofahrer. Das ist schlichtweg nicht wahr. Erst neulich hat mir eine vor der Nase den Parkplatz weggeschnappt: Kurz nach rechts ausgeschert, Blinker nicht gesetzt, Zack: links in die Lücke! „Hut ab!“ hab ich mir gedacht, als ich später mit dem Schlüsselbund in der Hand ganz ruhig an ihrer Karre vorbeigegangen bin. Insgesamt hab ich allerdings ein bisschen gehofft, ich bin da ganz ehrlich, dass ihr Mann nicht ganz so tolerant ist wie ich.

Oder beim Bund! Betten machen und Stube aufräumen! Da sind Frauen doch klar im Vorteil.

Und dann diese Sache mit der Regel! Immer wieder argumentieren alle mit dieser Regel. Ich steh da drüber. Klar ist es schwer, einer Frau die Abseitsregel zu erklären. Aber, mal im Ernst: Auch nicht jeder Mann kann kochen.

Wenn Männer ernsthaft behaupten, diese Emanzen müssten einfach nur mal kräftig durchgevögelt werden – nein, das ist ekelhaft! Ekelerregend. Verachtend. So eine Kampflesbe fasst doch kein normaler Mann freiwillig an.

Ich bin ein aufgeklärter Mann, ich will sogar sagen: Ich bin Feminist. Denn ich mag Frauen. Wenn meine heute Abend aus der Fabrik heimkommt, wird sie kein Geschirr abspülen müssen, das kann sie ruhig mal auf morgen verschieben. Und natürlich werde ich sie heute nicht mit dem Rohrstock verprügeln: So etwas mache ich nicht!

Aus Respekt nehme ich heute die bloße Hand.

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